10€

„Heute kennt man von allem den Preis, von nichts den Wert.“ Nirgendwo wird dieses Zitat aus Oscar Wildes ‚Lady Windermeres Fächer‘ so ad absurdum geführt wie auf dem heutigen Kunstmarkt. Oftmals wird nur der Materialwert anerkannt, nicht aber die Leistung der Idee und die Ausführung durch den oder die KünstlerIn. Oder aber der Wert wird durchaus anerkannt, allerdings nur bei ohnehin schon profilierten KünstlerInnen, die eine absolute Minderheit repräsentieren, die für ihre Arbeit exorbitante Preise verlangen können und damit auch ausschließlich ein elitäres Publikum anlocken. Kunst verkommt daher zu einem Luxusprodukt und ist dem Unverständnis derer ausgesetzt, die sie sich nicht leisten können und das obwohl eigentlich der zeitgenössische Eigenanspruch der Kunst ist, für jeden erfahrbar zu sein.

Der Kunstverein L102.art wagt ein Experiment um die Frage nach dem Wert der Kunst für alle Beteiligten neu zu verhandeln In einer Ausstellung, die sich mit den ökonomischen Bedingungen von Kunstproduktion auseinandersetzt, kann für jedes Kunstwerk ein Gebot von mindestens 10 Euro abgegeben werden.

Die Ausstellung versteht sich als eine Reflexion auf die realen und symbolischen Aspekte von Tauschverhältnissen, die unsere Kunsterfahrung grundlegend strukturieren. Einerseits soll so allen Kunstinteressierten nicht nur die Möglichkeit gegeben werden Kunst zu betrachten, sondern sie auch zu erwerben. Anderseits werden die prekären Verhältnisse des Lebens von der Kunst offen zur Schau gestellt und eine Bewertung der Qualität der gezeigten Arbeiten und auch der Ausstellung scheint unmöglich, da sie sich dem Maßstab der kommerziell beachteten Kunst entzieht.